Dienstag, 8. April 2014

Von Kuhglocken und Kirchglocken - und deren Schlägen

Kürzlich war ich für einen Kundenbesuch bei einem Bauern im Bernbiet. Und ich kann euch sagen, es war ein höchst amüsanter Besuch! Nicht etwa, weil sein technisches Problem so interessant war; nein, vielmehr wegen folgendem Dialog (für all jene, die des berndeutschen Dialekts nicht ganz so mächtig sind, habe ich in Klammern die Übersetzung ins Standarddeutsche angefügt):

„Gseht ehr das Eifamiliehuus det ar Strass vore?“ (Sehen Sie das Einfamilienhaus dort vorne an der Strasse?)
„Ja.“
„Det esch chörzlich so nen Zörcher izoge.“ (Da ist kürzlich ein Stadtmensch eingezogen.)
„U näär het dä ds Gfüu gha, är müess sech be mer öber d Glogge vo mine Chüe beschwäre!“ (Er hatte die Freundlichkeit, mir ein Feedback zu den Glocken meiner Kühe zu geben.)
„Ju, dem hani denn d Chottle potzt!“ (Ich habe ihn höflich auf die hiesigen Gepflogenheiten aufmerksam gemacht.)
„E ha dere Zürischnure gseit, är söu zersch emol aschtändigs Bärndütsch lere, bevor er hie chonnt siner Aschpröch cho stelle.“ (Ich habe diesem städtisch Schwätzenden empfohlen, berndeutsch zu lernen, um seine Anliegen ohne Missverständnisse darlegen zu können.)
„U wenn em d Glogge vo mine Chüe ned passe, chan är ja gärn weder of Zöri de Stadtlärm ga lose. Mer wäre hie ömu ned onglöcklech dröber.“ (Wenn die Glocken meiner Kühe leiser sind als der Stadtlärm würde uns das nicht unglücklich stimmen.)



Irgendwie erinnert mich dieser Fall an die Geschichte eines in der Schweiz wohnhaften Niederländers, der sich neben einer Kirche niedergelassen hat, um sich danach über die andauernd läutenden Kirchturmglocken zu nerven. Wobei es nicht überaus erstaunlich ist, das sich Niederländer, die sich die lieblichen Glockenspiele der niederländischen Kirchen gewohnt sind, über hiesige kompromisslose Glockenschläge wundern.



Was lernen wir also aus diesen Geschichten? Wer neben eine Kirche zieht oder hinaus aufs Land, muss mit Schlägen rechnen! Nun ja, ich meine mit Glockenschlägen, sei es von Kuh- oder Kirchturmglocken.
Und als Erkenntnis Nummer zwei können wir festhalten, dass die Missverständnisse zwischen (Stadt-) Zürchern und (Land-) Bernern sich auf ähnlichem Niveau bewegen wie zwischen (Flach-) Niederländern und (Berg-) Schweizern.
Und die dritte Erkenntnis: Meinungen zwischen Stadtlärm und Landruhe, zwischen Kuhglocken und Kirchturmglocken gehen weit auseinander. Zum Glück, sonst würden mir noch die Themen für meinen Blog ausgehen.

Und das wäre doch schade, oder?

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