Montag, 9. September 2013

Von altholländischen Fietsen

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein neues Fahrrad, nehmen es mit nach Holland, stellen es an einem Abend in Amsterdam an ein Brückengeländer, schliessen es ab, ketten es an, gönnen sich im Hotel den Schlaf der Gerechten und am anderen Morgen ist das Fahrrad weg. Und Sie müssen für Ihre geplante Holland-Reise ein altholländisches „Fiets“ mieten, mit nur einem Gang und Rücktrittbremse.

Keine schöne Vorstellung, oder? Ich brauche mir das nicht vorzustellen, denn mir ist genau das passiert. Und dass ich bei diesem alten Zweirad schon nach kurzer Zeit die Bremsen suchte und mitten in Amsterdam gegen einen Laternenpfahl krachte – die Autofahrer in der Kolonne daneben hatten Logenplätze, – das sei hier nur am Rande erwähnt.

Auch das Wetter wollte während dieser Reise nicht so recht in Gang kommen. Es war kalt, regnerisch und windig. Und trotzdem gab es auch die schönen Momente. Zum Beispiel, als sich in Medemblik ein neunjähriger Junge ganz spontan zu mir auf die Bank setzte und mir aus seinem Leben erzählte. Und enorm neugierig war auf das, was ich so tue. Und der darum bettelte, mit mir mitkommen zu dürfen, weil er doch so gerne einmal diese hohen Berge sehen wollte. Mit viel Mühe konnte ich ihn dann doch noch davon überzeugen, dass es besser sei für ihn, in Medemblik zu bleiben.

Aber genau diese Begegnungen sind es, die einen sogar ein gestohlenes Fahrrad vergessen lassen. Und nächstes Mal werde ich in Amsterdam mein Fahrrad über Nacht weder abschliessen noch anketten. Dann wird es am nächsten Morgen zwar auch weg sein, aber dann hat immerhin die Amsterdamer „Fahrradklauindustrie“ ein etwas leichteres Leben. Ein kleiner Akt von Nächstenliebe. Und das sollten wir uns doch alle ein bisschen gönnen, nicht?


Ach ja, möchten Sie noch wissen, wie mein altholländisches „Fiets“ aussah? Bitte:


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